„Think quality“ statt „think big“ – grün-schwarze Podiumsdiskussion „Nachgefragt“ mit Kerstin Andreae und Armin Schuster

 

Lörrach. Am vergangenen Mittwoch hieß es auf Initiative des grünen Kreisverbandes Lörrachs wieder einmal „nachgefragt“. Das Format hat das Ziel, den politischen Dialog auch abseits des Wahlkampfes konstant zwischen VertreterInnen der einzelnen Parteien aufrecht zu erhalten. Saßen bei der Erstauflage noch die drei lokalen Landtagsabgeordneten auf dem Podium, so waren es mit Kerstin Andreae (Fraktion GRÜNE)  und Armin Schuster (CDU) zwei Bundestagsabgeordnete, die sich zuerst Stellung zu den von Moderator Matthias Zeller angesprochenen Themen bezogen und danach dem Publikum offen Frage und Antwort standen. Ungewöhnlich war die Vorstellungsrunde: Hier durften die Diskutanten ihren jeweiligen Gegenüber vorstellen. Armin Schuster beschrieb hierbei Kerstin Andreae als eine sympathische Politikerin mit Schwung, die ehrgeizig, jedoch auch unkompliziert sei. Diese hob wiederrum Schusters Eigenschaft hervor, sich in lokale Themen richtig „ hineinzubeißen“. Hierfür sei vor allem die Rheintalbahn ein Beispiel, wo man ja auch gemeinsam etwas voranbringen konnte.

Mal Überschneidungen, mal gegensätzliche Auffassungen, zu jeder Zeit aber sachlich und fair – die grün-schwarze Podiumsdiskussion mit Kerstin Andreae und Armin Schuster.

 

Bei den darauffolgenden Themen: Regionale Energieversorgung, Nahverkehr wurde klar, dass die CDU sich vermehrt jenen Positionen annähert, die die Grünen seit über 20 Jahren vertreten: Atomausstieg und die Abkehr von fossilen Energieträgern kann nur gelingen, wenn gleichzeitig die erneuerbaren Energien konsequent ausgebaut werden. Auch in Sachen öffentlicher Nahverkehr ließ Schuster neue Töne verlauten, in dem er den Ausbau zur Kandertal S-Bahn als „ideell“ richtig bezeichnete.

 

Für den Moderator Zeller klangen da aufgrund des fehlenden Dissenses bereits die „schwarz-grünen“ Hochzeitglocken. Trotz fehlender Wahlkampfpolemik wurden neben den Überschneidungspunkten aber auch die Unterschiede deutlich herausgearbeitet. Vorlage hierfür war Armin Schusters Einschätzung, dass den Grünen –im Unterschied zur Volkspartei CDU- das breite Themenspektrum fehle. Eine Aussage, die Kerstin Andreae mit Verweis auf die breit aufgestellten Fachkollegen in der Fraktion verneinte. Hinzu kommt: Mit den Themen Europa, Bürgerbeteiligung, nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Soziales, Energie, Wirtschaft und Verkehr handelt es sich bei den Schlüsselfragen der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen um „ur-grüne“ Kernkompetenzen.

 

Gerade in der Auffassung zur Wirtschaftpolitik wurden diese unterschiedlichen Profile deutlich: Hier sah Armin Schuster die CDU im Vorteil, da sie – im Hinblick auf Projekte wie S-21- den Standpunkt „think big“ verkörpern würde. Eine Position, die die Wirtschaftsexpertin Kerstin Andreae als unzeitgemäß einschätzte und konterte: „ Die aktuellen Herausforderungen zeigen doch, dass der grüne Ansatz „think quality“ der richtige Ansatz ist, um die Wünsche aller Interessensgruppen besser zusammen zu bringen.“

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